Endlose Weiten und mystische Landschaften die durch Ödnis und Kargheit bestechen. Klingt jetzt erstmal nicht nach einem tollen Ausflugsziel. Die einzigartige Flora und Fauna, die alte Bockerlbahn und die absolute Stille auf den Nebenwegen machen die Nickelheimer Filze dennoch zu einem begehrten Ziel. Bei Familien gleichermaßen wie bei Naturliebhabern.

Ob zu einem gemütlichen Sonntagsspaziergang oder einer Feierabendwanderung, ein Ausflug in die wunderschöne Landschaft der Nickelheimer Filze rentiert sich immer. Vor allem bei schlechtem Wetter wirkt das Areal sehr mystisch. Auf den erbauten Plattformen hat man wunderschöne Ausblicke aufs Moor und die umliegenden Berge. Informationen über den damaligen Torfabbau erhält man den verschiedenen Stationen, die sich auf den Wanderwegen befinden.

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Die Nickelheimer Filze sind aufgrund ihrer Größe europaweit einzigartig, denn es gibt in Europa keine größere Moor-Renaturierung als hier im Rosenheimer Umland. 2021 wurde dieses Gebiet in die Riege der “Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung” aufgenommen.

Die Geschichte der Nickelheimer Filze

Die rund 600 Hektar große Fläche der Nickelheimer Filze, die im Jahre 1989 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wurde, ist das Resultat des “Rosenheimer Sees”. Der sich vor Jahrtausenden zwischen Rosenheim, Bad Feilnbach, Raubling und Bad Aibling erstreckte und mit den Jahren versickerte. Daraus entwickelte sich das Gebiet rund um Nickelheim zu einem Moor, mit dicker Torfschicht. Der Rosenheimer See entstand übrigens als die Gletscher zum Ende der letzten Eiszeit schmolzen.

Torf wurde vor allem zum Heizen benutzt, dazu wurden die gestochen Torfstücke getrocknet und im Anschluss statt Kohle verwendet. Aber auch als Einstreu beim Vieh und als Bettunterlage für Kinder kam Torf zum Einsatz. Einen Aufschwung in den Nickelheimer Filzen gab es im Jahre 1876, als der Torfbaumeister Joseph Nickl Torf für die Rosenheimer Saline abbauen ließ. Bevor der Torfabbau im Jahre 2006 in den Nickelheimer Filzen komplett stoppte benötigte man den Torf hauptsächlich noch für den Garten- und Landschaftsbau.

Die Highlights der Nickelheimer Filze

Zahlreiche Wanderrouten führen durch die Nicklheimer Filze. Auf den Wandwerwegen im Moor gibt es zahlreiche Entdeckungsmöglichkeiten und Attraktionen.

Zu jederzeit geöffnet

  • eine Aussichtsplattform und zwei Torfaussichtshügel

  • das Wanderwegenetz durch das Moor

  • der botanischer Garten der Hochmoorflora

  • ein Schau-Handtorfstich

Nach Anmeldung kann man zusätzlich erleben

  • Moorexkursionen mit Lernspielen für jeden Wissensstand und alle Altersstufen

  • ein Grünes Klassenzimmer mit moorkundlich ausgestalteter Inneneinrichtung

Zu besonderen Terminen sind geöffnet

  • die „Bockerlbahn“, eine ehemalige Moorbahn der Nicklheimer Filze

  • die ehemalige Hütte der Torfarbeiter

Generelles über Filze und Moore

Unsere Moore und Filze in Deutschland wurden bis auf einige Ausnahmen, alle für den Torfabbau entwässert. Die meisten davon werden seit einigen Jahren aber renaturiert. Denn eine intakte Moorlandschaft bindet CO2 – Absolute Kohlenstoffspeicher! Alle Moore weltweit speichern sogar mehr Kohlenstoff in ihrem Torf, als unsere Wälder. Eine weitere große Bedeutung unserer Moore: Sie speichern und filtern Wasser. Daher werden Sie auch oft als “Nieren der Landschaft” bezeichnet.

Ausblick Filze

8km Entdeckungstour auf eigene Faust

An einem Schlechtwetter Sonntag zog ich los Richtung Nickelheimer Filze. Es war kühl, Sonne und Regen wechselten sich ab. Perfekt für einen Geschichtsausflug.

Als Startpunkt der Tour wählte ich den Wanderparkplatz “Moorstation” in Nicklheim. Von hier gelangt man direkt über einen breiten Forstweg, dem Blaukehlchenpfad ins Moor. Zahlreiche Bänke laden zum verweilen in den dichten Wäldern ein. Nach einem knappen Kilometer erreiche ich das erste Moor-Highlight. Ich gehe gerade aus auf den Schwarzkehlchenpfad, einem kleinen, weichen Pfad. Der durch sumpfiges Gelände direkt ans Moor führt. Am Ende des Weges gibt es neben einer Vogelbeobachtungs- station auch einige Rastbänke und Picknicktische.

Beschilderung

Nachdem ich mir einen ersten Überblick verschafft habe gehe ich zurück an den Anfang des Pfades. An der Gabelung halte ich mich links und folge dem Blaukehlchenpfad weiter Richtung Moor. Auf diesem Teil der Route gibt es immer wieder Informationen und Stationen zur Erdgeschichte und Klimaentwicklung.

Kurz vor der Moorstation, rechter Hand, geht ein kleiner Pfad in den Wald hinein. Hier befindet sich ein Handtorfstich, an dem man sich ein besseres Bild über die damalige Arbeit machen kann. Dann erreiche ich die Moorstation, eines der Highlights in den Nickelheimer Filzen. Hier findet man einen Aussichtsturm mit Blick über die Filze, die ehemalige Torfarbeiter Hütte und einen schön angelegten Rastplatz mit schönen Holzschaukeln.

Ich verlasse die gut besuchte Moorstation über den Braunkehlchenpfad. Immer entlang der Gleise, der alten Bockerlbahn, bis ich am Torfbahnhof ankam. Hier wähle ich den Abzweig ins Moor und folge dem kleinen Trampelpfad links. Schlagartig wurde es ruhig um mich, keine Menschenseele weit und breit. Die nächsten Kilometer verläuft meine Route direkt durch das Moor. Ich muss aufpassen, keine nassen Füße zubekommen. Hier bietet sich traumhafte Kulissen, immer wieder hat man tolle Ausblicke auf das Moor und die umliegenden Berge.

Achtung! Eine Wanderung auf eigene Faust durch das Moor kann gefährlich sein. Bleibe immer auf den Wegen und halte dich an die zeitlichen Betretungsverbote.

Auf dem Rückweg muss ich ein Teilstück über die nicht viel befahrene Straße nehmen. Vorbei an den alten Siedlungshäusern der Torfarbeiter biege ich am Torfbahnhof wieder auf den Fußweg ab. Ich folge dem Braunkehlchenweg, erneut vorbei an den Gleisen der Bockerlbahn bis ich zur Abzweigung des Rotkehlchenweges gelange. Von hier aus gelange ich direkt zum Startpunk der Tour zurück.

Natürlich kannst du meine Tour auch nachgehen: Auf Komoot findest du den Link Tour!

Mrs Hirnbirn in den Filzen

Fazit zu meinem Ausflug in die Nickelheimer Filze

Ich war überwältigt, in mehrerer Hinsicht. Auf den Erlebniswegen war trotz des schlechten Wetters einiges los. Aber sobald man schmalere Pfade betritt wird es schnell ruhiger. Man muss nur aufpassen, dass man auf dem rechten Weg bleibt. Ansonsten gibt es nasse Füße. Zudem gelten zu bestimmten Zeiten Betretungsverbote für manche Wege. Achte daher bitte auf die Ausschilderungen und informiere Dich vor deinem Ausflug in die Filze.

Mein Tipp: Mach aus deiner Tour durch die Filze doch dein ganz persönliches 3D Abenteuer!

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