Eigentlich war ich mir ziemlich sicher, dass ich meinen Urlaub Ende April 2022 in Deutschland verbringen werde. Ich hatte schon so viele Ideen im Kopf wo ich hinfahre, welche Wanderungen ich unternehme und welche Trails ich fahre. Dass ich zum gemütlichen Tagsesausklang draußen, dann eventuell ein Lagerfeuer brauche, hätte mich absolut nicht gestört 😉 – Aber was war denn los mit dem Frühsommer in Deutschland?! Bei so viel Regen wäre das Feuer ja nie im Leben angegangen. Ein neues Reiseziel musste her: Neben Griechenland, was schon ziemlich lange auf meiner Roadtrip-Liste steht, standen Italien und Spanien zur Auswahl.

Vollgepackt bis unter die Decke, mit natürlich wieder viel zu vielen Klamotten, meiner Wander- und Mountainbike-Ausrüstung, fuhr ich erstmal los Richtung Süden. Die Videomaut für den Brenner, die einem an Tagen mit viel Verkehr echt Nerven und Zeit spart, buchte ich “One-Way”. Wer weiß schon, von wo ich zurückkommen werde?! (Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht fest, dass ich nach 3 wunderschönen Wochen in Italien den gleichen Weg zurückfahren werde.)

Meine Instagram-Follower haben ja schon viel zu sehen bekommen – Danke an alle hier an dieser Stelle. Alles kann man aber nicht in einer Story oder einem Beitrag festhalten, die Fotos der schönsten Stellplätze wurden direkt geteilt. Aber alle wichtigen Italien Roadtrip Infos erfahrt ihr nun hier.

Italien – On the road

Mein südlichstes Ziel in Italien war bisher die Toskana. Dort war ich 2019 zum ersten Mal, allerdings mit dem Auto und nicht mit dem Camper. Ansonsten zieht es mich selten südlicher als den Gardasee. Geografisch wird es ab Verona für mich erstmal uninteressant, denn die Po- Ebene ist flach, flacher als es bei uns an der Nordsee ist. Da macht Mountainbiken keinen Sinn.

Strand Italien

Wenn man nun, wie ich meistens, über den Brenner nach Italien einreist und nach gut 300 km die A22 verlässt, wundert man sich vielleicht. Die Italiener können auch 3 und 4 spurige Autobahnen bauen. Die Leitblanken, sind nicht in ganz Italien so rostbraun und LKWs dürfen auf anderen Autobahnen sogar überholen 😀 – Ja, für die A22 gelten eigene Gesetze!

Generell gilt: die Italiener blitzen gerne in Baustellen und das wird dann richtig teuer. Zudem gibt es regelmäßige Videokontrollstellen – hier wird man aber ein paar hundert Meter vorher mit einem blauen Schild gewarnt. Auch ganz nett. Aber, es ist nicht so, dass man oft Gefahr läuft geblitzt zu werden. Denn die Straßen in Italien sind teilweise wirklich eine Zumutung. Riesige Krater und Schlaglöcher auf der Autobahn sind Standard, da muss man sich trauen, die maximal erlaubten 130km/h zu fahren. Man kann eigentlich ganz klar sagen: sobald man für die Straße Maut zahlt, ist sie in einem einigermaßen guten Zustand. Dies sind die klassischen Autobahnen, gekennzeichnet mit grünen Schildern.

Die kostenlosen Schnellstraßen, die mit blauen Schildern gekennzeichnet sind, sind hingegen eine echte Katastrophe. Hier liegt die Höchstgeschwindigkeit generell schon bei 110 km/h, statt wie bei den Autobahnen bei 130 km/h, aber diese schafft man mit einem Camper auch nur ohne zerbrechliche Ladung und nur auf der Linken Spur. Die Rechte Spur ist immer die schlimmere; So kommt es schonmal vor, dass 5 Autos hinter einem LKW auf der linken Spur schleichen und rechts ist freie Fahrt. Sowas regeln die Italiener dann klassisch mit der Hupe.

In Innenstädten bedeutet Hupen hingegen Alles! Wer hier nicht hupt, macht was falsch! Ich habe in meinen 3 Tagen in Neapel jedoch kein Muster herausfinden können. So bleibt wohl nur: wer am lautesten hupt hat Recht 😉

Meine Roadtrip-Route durch Italien

Nach der obligatorischen “Maut”-Pause an der Raststätte in Kiefersfelden ging es vorerst durchs Inntal, hinauf zum Brenner. Die italienische A22, ist ja fast wie mein 2. Zuhause. Bis Rovereto, spätestens dann muss ich wach und ausgeschlafen sein! Ein wenig traurig werde ich jedoch, als auf Höhe Verona die Berge im Rückspiegel kleiner werden und schließlich nicht mehr zu sehen sind. Ich bin in der Po- Ebene angekommen. Bald muss ich entscheiden wohin ich eigentlich will: Ich möchte mir die Option “Griechenland” noch offen halten und fahre daher Richtig Adria. Denn in Ancona habe ich die Möglichkeit mit Ferdi auf die Fähre Richtung griechisches Festland zu kommen.

Langsam wirds auch Zeit, sich Gedanken über den Schlafplatz zu machen. Ich will unbedingt den ersten Abend am Meer sein, das steht fest. Südlich von Rimini werde ich fündig: In mitten eines Naturschutzgebietes liegt ein schnuckeliger, kleiner Stellplatz. Zwar ohne Duschen und WCs, aber direkt am Meer gelegen. Was kann es schöneres geben?! – Ooookay! Es wäre schön gewesen, wenn die Sonne nicht innerhalb 20 Minuten verschwunden und Regenwolken aufgezogen wären. Aber immerhin konnte ich nach meinem Besuch in dem angrenzenden Restaurant einen tollen Sonnenuntergang bewundern.

Italien Roadtrip

Noch beim Abendessen beschloss ich, nicht mit der Fähre nach Griechenland zu fahren, sondern eine Italien-Rundreise zu machen. So ging es für mich am nächsten Tag früh weiter; Ziel: Neapel! Ich hatte schon viel über diese Stadt, den Vesuv und Pompeji gehört, gesehen und gelesen. Über Autobahnen und Schnellstraßen kam ich schnell voran, aber ich wollte auch was von der Landschaft Süditaliens sehen. Es ging daher einmal quer durch die Abruzzen; Erinnerte mich sehr an Nordnorwegen! Wunderschön und so einsam!

Neapel

Bereits einige Km vor Neapel merkte man, da kommt eine Großstadt. Mehr Verkehr auf den Straßen, viel gehupe, Flugzeuge die über der Autobahn starten und landen. Ich habe mir einen Stellplatz in einem Vorort von Neapel ausgesucht. Die Nähe zu meinen Ausflugszielen und zur Autobahn war einfach ideal. Wichtig war mir ebenfalls, dass der Platz eingezäunt und überwacht ist.

MTB Vesuv

In den 2 Tagen, die ich auf dem Agricamp Stone verbrachte, war ich mit dem Mountainbike auf dem Vesuv und habe mir die Ausgrabungsstätte von Pompeji angesehen. Für vielmehr war ich wegen der extremen Temperaturen auch nicht in der Lage.

Pompeji

Formia

Da ich in meiner Zeit in Neapel das Meer nur von Weitem gesehen habe, musste der nächste Stellplatz wieder direkt am Meer sein. So zog ich statt zur nächsten Großstadt in den Süden, Richtung Strand in den Norden. Dort fand ich einen riesigen Campingplatz, direkt am Meer! Das Beste daran war jedoch, ich war bei meiner Ankunft der einzige Gast! Einen ganzen Campingplatz für mich alleine! Wahnsinn!

Hier waren es nur 5 Minuten bis zum langen Sandstrand, der wie der Campingplatz wie leergefegt war. Leider hatten aber auch die Strandbars noch geschlossen. Aber ich habe mir für den kommenden Tag eine lange Mountainbike Tour rausgesucht und wollte daher eh nicht zu spät ins Bett.

Ausblick Formia

Bei Temperaturen jenseits der 25 Grad, die ich dieses Jahr noch gar nicht gewohnt war, ging es in praller Sonne mit dem MTB hinauf zum Cima del Redendore. Mit 1252m ein Winzling, aber bei freiem Blick bis zum Meer kommt einem das höher vor. Über einen gigantischen Trail ging es zurück zum Campingplatz. Kurz umgesehen, immer noch alleine hier. Den Abend wollte ich aber gerne in Gesellschaft verbringen.

So verschlug es mich in die ausgezeichnete Pizzeria um die Ecke. Ausgezeichnet war die Pizza in doppeltem Sinne: Eine Pizza mit Pistazienmus und Mortadella habe ich vorher nie gesehen, geschweige denn gegessen! Es war die beste Pizza, die ich jemals gegessen habe!!! Davon bin ich im Vorfeld aber schon ausgegangen, da der Pizzabäcker bereits im Guinnessbuch der Rekorde steht, mit seinen sehr guten und ausgefallenen Pizza-Kreationen.

Toskana

Eigentlich wollte ich noch mehrere Zwischenstopps auf dem Weg in die Toskana einlegen. Aber auch in Italien gibt es Regen und so ließ ich den einen oder anderen Platz links liegen. Vollkommen in Ordnung, denn ich freue mich richtig drauf, endlich wieder zwischen Zypressen und Weinreben zu stehen. Ich wollte diesmal so viel wie nur möglich von der Toskana sehen, ein kleiner Spickzettel durfte da nicht fehlen.

Dank Tablet und WLan Router on board habe ich abends eine Reportage gefunden, die war bestimmt schon 30 Jahre alt, hat mir aber noch ein paar interessante Orte gezeigt. Nach einer Woche rumreisen durch die Toskana habe ich so echt viel gesehen: Schnuckelige Städte und mittelalterliche Burgen, viele toskanische Hügel und verträumte Dörfer. Habe Wein und Käse probiert und auf Bauernhöfen übernachtet.

Siena
Platz in Arezzo

Ein Highlight, welches man als Toskana-Urlauber mindestens einmal besucht haben muss: Die heißen Quellen von Saturnia. Hier sprudelt 37,5 Grad heißes, schwefelhaltiges Wasser aus dem Boden. Durch einen angelegten Bachlauf fließt das Wasser ca 5 km nach der Quelle, in mehreren kleinen Wasserfällen in riesige natürliche Becken. Hier kann man wunderschön entspannen und im wohltemperierten Wasser baden. Der gesamte Zufluss und auch die Becken an der “Cascate del Mulino” sind kostenfrei nutzbar. Dementsprechend ist hier auch tagsüber viel los.

Von meinem Stellplatz, der nur 1 km Fußweg quer durch toskanische Felder, von den Badeplätzen entfernt war, machte ich mich am Abend auf den Weg. Es war dunkel, die Becken aber wunderschön beleuchtet und das Beste: Ich war ganz allein! Einen Haken hat das schwefelhaltige Wasser dann aber doch! Alles, wirklich Alles riecht danach nach fauler Butter!

Therma Saturnia

Die letzten Tage in der Toskana verbrachte ich in der Region Cecina. Hier, wo ich vor einigen Jahren schon war. Das ganze Fahren, nach Stellplätzen suchen und aufbauen schlaucht ein wenig. Einen wunderschönen Stellplatz fand ich etwas südlich der mittelgroßen Stadt, nur 4 km vom Meer entfernt. Die Berge im Rücken, das Meer vor Augen: Ein Traum! Leider vergingen die 5 Tage viel zu schnell. Es war aber auch alles perfekt: Tolles Wetter, wunderschöne Mountainbike Touren, gutes Essen, unendlich lange Sand-Strände und ein noch leicht kühles, aber erfrischendes Meer! Was will man mehr!?

Der letzte Tag war angebrochen; Nach einer ersten Verlängerung um eine Nacht, wollte ich nun wirklich Heim! Ich war erholt und zufrieden. So ging es über die nördliche Toskana bis Bologna und ab da den gleichen Weg zurück wie ich nach Italien gekommen bin. Mein erstes Mal, dass ich auf Hin- und Rückweg einfach am Gardasee vorbeigefahren bin, ohne anzuhalten – Sachen gibt’s!! 😀

Campen in Italien

Wie in jedem europäischen Land, ausgenommen Skandinavien, ist auch in Italien Freistehen oder auch Wildcampen verboten! Da ich mir zudem sehr unsicher bezüglich Diebstahl und Einbrüchen war, übernachtete ich ausschließlich auf offiziellen und ausgewiesenen Plätzen. Dank Park4Night klappte das im absolut Camperfreundlichen Italien super!

Ich buchte keinen Stellplatz vorab, so es war immer ein kleines Glücksspiel, ob noch ein Platz für mich frei war. Aber da ich in der Vorsaison unterwegs war, absolut kein Problem. Die meiste Zeit hatte ich die gesamten Plätze für mich alleine! Das wird dann ab Juni und in den Ferien nicht mehr so easy gehen. Falls man dann doch noch spontan reisen möchte, kann ich die Buchungsplattform Agricamper Italia empfehlen.

Camper

Eine Übernachtung kostete mich im Schnitt 10 Euro. Dabei muss man die Reisezeit beachten! Im Sommer liegen die Preise meist 5-10 € darüber. Ich habe große 4 Sterne Plätze gemieden, hier zahlt man gerne auch in der Vorsaison 40 Euro + /Nacht. Mich zog es eher auf die kleinen privaten Stellplätze. So stand ich viel auf Bauernhöfen und hatte neben Hunden und Katzen auch Schweine und Ziegen als Nachbarn. Zudem bekommt man meistens direkt vor Ort die Möglichkeit selbstgemachte Speisen und Getränke zu erwerben oder zu probieren.

Italien Roadtrip – Empfehlenswert?

Oh ja! Absolut eine Empfehlung wert. Meine große Befürchtung, irgendwann eine eingeschlagene Scheibe vorzufinden, war absolut unbegründet. Dass die abwechslungsreiche italienische Landschaft einen Besuch wert ist, war klar. Das Essen und der Wein sowieso! Ich habe viele nette und herzliche Menschen kennengelernt. Das Problem mit den Straßen kann man übersehen, wenn man bei der Fahrt einen traumhaften Blick aufs Meer hat. Lediglich den vielen Müll neben den Straßen, in Wäldern und auf Wiesen konnte ich nicht übersehen! Das gehört wohl zu Italien wie Pizza&Pasta!

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